Warum?

Kein Reiten oder Aufwärmen vor der Therapie


  •  Das Pferd soll nicht aufgewärmt sein, weil es sein kann, dass erkrankte Strukturen  durch das Training so aufgewärmt und durchblutet werden, dass sie eine Lahmheit oder ein Problem verbergen. Sicherlich allen bekannt vom Spat, wo sich die Pferde einlaufen und z.T. dann auch lahmfrei sind. Eine realistische Beurteilung im Gesamtbild ist so nicht möglich.
  • Und durch die schon aufgewärmten Gelenke und Muskeln ist die wirkliche   Bewegungsfreiheit eines Gelenkes nicht mehr einschätzbar. Bei einer Dehnung würde eine krankhaft veränderte Struktur evtl. wesentlich weiter gedehnt als ein kalter Muskel oder Bänder dies zulassen würde - so kann man Strukturen schnell überlasten und Schaden zufügen.
  • Infektionserkrankungen, die mit einer Erhöhung der PAT Werte (Puls, Atmung, Temperatur) einhergehen, sind eine absolute Kontraindikation für eine Physiotherapeutische Behandlung, ebenso das Arbeiten an Wunden mit Entzündungszeichen.  Die Schwellung kann u.a. ein Entzündungszeichen sein  und es besteht die Möglichkeit, dass diese nach dem Training abschwillt.
  •  Bei einem aufgewärmten Pferd lässt sich dies für den Therapeuten evtl. nur noch schlecht differenzieren.


Pause nach der Therapie?

 Der Golgi-Sehnenapparat, die Muskelspindeln und die Bänder sind zentrale Bestandteile der Propriozeption beim Pferd – also der Wahrnehmung der eigenen Körperlage und Bewegung im Raum. Muskelspindeln registrieren Dehnung, der Golgi-Sehnenapparat Spannungszustände in den Sehnen, und Bänder liefern Informationen über Gelenkstellungen. Diese Strukturen werden durch Therapie (z. B. Osteopathie, Physiotherapie) stimuliert oder neu „justiert“. Damit sich das Nervensystem neu organisieren und die veränderte Körperselbstwahrnehmung integrieren kann, benötigt das Pferd etwa 48 Stunden Ruhe, bevor es wieder gearbeitet wird. 
So wird die Wirkung der Therapie nachhaltig gesichert und auch ggf. das Risiko beim Reiten zu stürzen, gemindert.

Ein Muskel hat meist noch andere Muskeln (Synergisten), welche seine Arbeitsrichtung unterstützen.  Ebenso hat er  einen Gegenspieler (Antagonisten), welche in die entgegengesetzte Richtung arbeiten - also z.B. ein Muskel streckt, der andere  Muskel  beugt das Gelenk. 
Ist ein Muskel erkrankt, übernimmt dieser Synergist die ganze Arbeit - er ist ebenfalls überlastet. Weil der Muskel verkürzt oder  verkümmert ist, kann sich der Antagonist auch nicht mehr vollumfänglich strecken oder beugen . 
Nun kommen noch die Faszien und myofaszialen Ketten ins Spiel... diese Faszien funktionieren u.a. auch als Übermittler von Informationen - diese geben sie an bisher unbeteiligte und unter Umständen weiter entfernt liegende Muskeln weiter. Diese verspannen dann ebenfalls - das kann so weit gehen, dass man am Ende kaum noch zu sagen vermag, wo das ganze Problem eigentlich begonnen hat. 

Ein Kreislauf beginnt, aus dem das Pferd oft nicht alleine herausfindet. 
Ein Physiotherapeut kann hier Abhilfe schaffen.  
Hier gilt - je eher desto besser. Verstreicht viel Zeit und ganze Muskelketten sind involviert, kann man nicht alle Probleme bei einer Behandlung lösen. Es wird Folgetermine benötigen, auch für den nachfolgenden Muskelaufbau.